Im Rahmen einer Dienstreise in anderer Sache hat Bürgermeister Daniel Kiefer die Gelegenheit genutzt, in Bad Arolsen den Spuren jener Menschen aus der Gemeinde Mettlach nachzugehen, die Ende der 1930’er Jahre im Zweiten Weltkrieg ihre Heimat verlassen mussten. Auf Einladung von Bürgermeister Marko Lambion aus Bad Arolsen begab sich Kiefer auf eine eindrucksvolle historische Spurensuche. Begleitet wurde der Besuch vom Stadthistoriker Erhard Kraft, der mit großem Wissen, vielen persönlichen Details und beeindruckender historischer Kenntnis durch die Geschichte führte.

Treffpunkt des Rundgangs war der Bahnhof in Arolsen. Für viele Geflüchtete aus Orscholz, Nohn und Wehingen war dieser Ort damals die erste Anlaufstelle in einer Zeit voller Unsicherheit, Entbehrung und Sorge um die Zukunft. Von dort aus führte der Weg zunächst in den Stadtteil Helsen, wo zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus der heutigen Gemeinde Mettlach untergebracht waren.

Bei dem Rundgang durch Helsen wurden mehrere Gebäude besucht, die bis heute eng mit den Schicksalen der damaligen Geflüchteten verbunden sind. Erhard Kraft schilderte zu den einzelnen Stationen nicht nur die historischen Zusammenhänge, sondern wusste vielfach auch konkrete Namen der dort einst untergebrachten Menschen zu nennen. Gerade diese Verbindung von Orten, Häusern und persönlichen Lebenswegen machte die Vergangenheit für alle Beteiligten auf eindrucksvolle Weise greifbar.

Zu den Stationen gehörten unter anderem das Sophienheim sowie das alte Schulhaus. Besonders bewegend war dabei die Erinnerung daran, dass im alten Schulhaus Lehrer Becker aus dem beheimateten Nohn die geflüchteten Kinder aus der Gemeinde Mettlach unterrichtete. Damit wurde deutlich, wie sehr die Menschen auch fern der Heimat bemüht waren, in einer schweren Zeit wenigstens ein Stück Alltag, Bildung und Halt aufrechtzuerhalten.

Eine weitere Station war die einzige katholische Kirche in Bad Arolsen. In einer überwiegend evangelisch geprägten Region kam ihr für viele katholische Geflüchtete eine ganz besondere Bedeutung zu. Dort fanden sie nicht nur einen Ort des Glaubens, sondern auch Gemeinschaft und Trost. Wie während der Führung berichtet wurde, nahmen viele der Geflüchteten, trotz teils weiter Fußmärsche, regelmäßig an den Gottesdiensten teil.

Ein besonderer Höhepunkt des Besuchs war schließlich die Führung im Arolser Schloss. Gemeinsam mit Bürgermeister Marko Lambion erhielt Daniel Kiefer dort im Beisein von Fürst Carl Anton zu Waldeck und Pyrmont Einblicke in Räume, in denen damals ebenfalls Familien untergebracht waren. Die exklusive Schlossführung machte noch einmal deutlich, an welch unterschiedlichen Orten die Geflüchteten in Bad Arolsen Aufnahme fanden.

Für Bürgermeister Daniel Kiefer war diese Spurensuche nicht nur aus historischer Sicht von besonderer Bedeutung, sondern auch ganz persönlich sehr bewegend. Im Zuge der Recherchen und der Führung fand er auf einer Liste der Geflüchteten auch den Namen seines eigenen Großvaters wieder. Damit wurde für ihn erstmals konkret nachvollziehbar, wo dieser in jener Zeit untergebracht war.

„Diese Spurensuche in Bad Arolsen war für mich in vielerlei Hinsicht sehr bewegend, weil sie ein wichtiges Kapitel der Geschichte vieler Familien aus unserer Gemeinde sichtbar macht. Solche Momente zeigen, dass Geschichte nicht fern und abstrakt ist, sondern tief mit den Lebensgeschichten unserer eigenen Familien verbunden bleibt“, so Bürgermeister Daniel Kiefer.

Kiefer dankte Bürgermeister Marko Lambion für die Einladung sowie dem Stadthistoriker Erhard Kraft für die eindrucksvolle und kenntnisreiche Führung. Der Besuch habe auf besondere Weise gezeigt, wie wichtig es sei, die Geschichten von Flucht, Entbehrung und Zusammenhalt lebendig zu halten und an nachfolgende Generationen weiterzugeben.

Die Begegnung in Bad Arolsen hat einmal mehr verdeutlicht, dass hinter historischen Ereignissen immer persönliche Schicksale, Familiengeschichten und menschliche Erfahrungen stehen.